FX-Trading – was steckt eigentlich dahinter

FX-Trading ist salonfähig geworden, würde man meinen, wenn man die Werbung betrachtet, mit der man heute überall bombardiert wird. Die Vielfalt der Dienstleister und Vermittler, die man angezeigt bekommt, sobald der entsprechende Suchbegriff eingegeben ist, täuscht jedoch. Denn es wird nicht wirklich gesagt, was beworben wird. Was steckt hinter dem sogenannten FX-Trading? Fragen Sie einen Kollegen auf der Arbeit, Ihre Freundin oder den Onkel, der als Ingenieur bei VW arbeitet, was CFDs und FX-Trading sind? Sie bekommen zu 98% keine richtige Antwort. 2% – so groß dürfte der potenzielle Markt für Privatanleger in Deutschland sein, die sich in innovative Finanzprodukte engagieren wollen. Und dieser ist umkämpft.

Jetzt zurück, das FX-Trading ist eine glatt gebügelte Verschmelzung zwischen zwei komplexen Finanzprodukten:

– Devisenhandel

– Differenzkontrakte (engl. Contracts for Diifferences, CFDs)

Am auffälligsten ist die mangelnde Aufklärung in Sachen Devisenhandel. Denn dieser ist nicht neu und seit Jahrzehnten den großen Spekulanten vorbehalten. Es gibt vier Arten davon:

– Kassageschäft (Spot) – ein physischer Austausch der Währungen

– Devisentermingeschäfte mit Erfüllung in einigen Tagen, Wochen oder gar Monaten

– Swap-Geschäfte – Austausch von künftigen Zahlungsströmen

– Optionen und Futures

Die Letzteren werden auch an den Börsen gehandelt, die ersten drei hingegen sind OTC-Geschäfte, also außerhalb des standardisierten Marktes.

Nun kann normalerweise ein Diplom Informatiker Markus Normalo, der neben seinem spannenden Job noch etwas dazu verdienen will, nicht einfach in den FX-Markt gehen und 10.000 Euro gegen USD bieten. Unwahrscheinlich wird er ein Gegenangebot bekommen.

Noch unrealistischer ist die Annahme, dass er Swaps handeln könnte.

Und so bleiben nur die großen unter sich im klassischen Devisenhandel. Der Anteil der Privatanleger wird von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf 2% geschätzt, wodurch das tägliche Handelsvolumen seit 1988 von zehn auf 79,6 Mrd. USD gewachsen ist.

Diese Tatsache hat schon vor Jahren viele sog. FX-Broker entstehen lassen, die versuchen, den kleinen Spekulanten in das große Geschäft beizubringen. Und sie stecken meistens hinter der bunten und oft lauten Werbung, der Sie in einschlägigen Messen, Portalen und TV begegnen.

Diese FX-Broker vermitteln aber keinen Devisenhandel im klassischen Sinne, sondern sie betreiben Plattformen für die Differenzkontrakte oft in Kooperationen mit Banken.

FX Broker bieten also CFDs auf Devisen. Bei CFDs kaufen sie nicht den Basiswert, z. B. 100.000 Dollar. Sie einigen sich lediglich mit der Gegenpartei, auf die Ausgleichszahlung zwischen dem Eröffnungs- und Schlusskurs.

Über die Differenzkontrakte will ich hier nicht weiter schreiben. Ich empfehle für die Einführung z. B.

http://www.eltee.de/education_id.php?id=191

Zusammengefasst, es gibt Anbieter, über die man CFDs direkt gegen einen Kontrahenten handeln kann. Diese DMA ( direct market access)-Broker nehmen sofort eine Gegenposition ein. Sie leben von Spreads und Gebühren.

Und es gibt Anbieter, die die Kundenposition ins eigene Buch aufnehmen und versuchen anschließend eine nicht zu teure Hedge-Position im Markt einzunehmen. Diese sog. Market Maker Broker sind eher mit Vorsicht zu betrachten. Hier handeln Sie nicht gegen den so schönen liquiden Markt sondern gegen einen profitorientierten Dienstleister.

Der Einsatz von CFD für Währungshandel hat eine weitere wichtige Konsequenz.

Der Devisenhandel für Private ist eine kreditfinanzierte Variante des Kassageschäfts.

Normalerweise kaufe ich als Institutioneller USD für 100.000 Euro, dann fließen tatsächlich die Dollar auf das Konto und der Euros werden abgezogen. Dieses Spot oder Kassa-Geschäft ist natürlich umständlich und mit einem durchschnittlichen Depot nicht zu machen, zumal man zwei Konten braucht. Deshalb kommen hier die CFDs zum Einsatz. Damit handle ich gegen den Broker und dieser kann bzw. muss sich entsprechend absichern. Er erlaubt mir, weit höhere Volumina als mein eigenes Depot zu handeln. Er geht davon aus, dass das Schließungsgeschäft mit dem verfügbaren Geld beglichen wird und das ausreicht. Der fehlende Betrag wird mir als eine Art Devisenkredit zur Verfügung gestellt. Die dafür benötigte Sicherheitsunterlegung – Margin, kann sogar nur 2% des gehandelten Volumens betragen. Damit erziele ich einen Hebeleffekt von 50. Sie handeln demnach auf Kredit. Verändert sich der Kurs um 2% in einer für Sie ungünstigen Richtung, dann verlieren Sie die gesamte Margin.

Eine Übersichtsseite mit den gängigen FX-Brokern finden Sie u. a. unter

http://www.brokervergleich.net/forex.

Leider, verwenden fast alle Seiten die gleiche Metapher. Die gleichen Begriffe werden vervielfältigt und suggerieren, dass es sich dabei um etablierte oder gar selbsterklärende Finanzprodukte handelt. Man berichtet in einer fröhlichen Runde in Frankfurt am Main von den eigenen Erfolgen als Daytrader im Devisenmarkt. Man schwärmt von der unendlichen Liquidität des Devisenmarktes und den kundenfreundlichen Öffnungszeiten. Es sei eine seriöse und auf Dauer gewinnbringende Variante des Glückspiels.

Ich habe oft das Gefühl, dass die meisten am Ende nur noch einen Gewinn sehen wollen und das Geschäftsmodell und Risiko interessieren sie kaum.

Die Brokerseiten versuchen das Forex-Geschäft neutral zu beschreiben, auch die oben zitierte http://www.brokervergleich.net/wie-funktioniert-forex-handel

Wenn auch vieles richtig ist, sehe ich dort nach wie vor, einen Verbesserungsbedarf.

Ich finde dort

„Denn der Forexhandel bietet beispielsweise gegenüber dem Aktienhandel zahlreiche Vorteile: Erstens lassen sich bereits mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz Devisen handeln, zweitens können Anleger beim Forex-Handel nicht nur von steigenden, sondern auch von fallenden Kursen profitieren …“

Darin befinden sich zwei Halbwahrheiten:

Erstens, der geringe Kapitaleinsatz ist nur dem hohen und riskanten Hebel zu verdanken. Dies ist auch im Optionsmarkt auf Aktien möglich. Würde man andererseits von den Privatanlegern eine hohe Deckung für Kassageschäfte verlangen, wie es bei den Institutionellen der Fall ist, wäre sowohl das Risiko und auch der Reiz des FX-Geschäfts zumindest deutlich schwächer.

Zweitens, auch im Optionsmarkt kann ich ziemlich risikoarm auf steigende und fallende Kurse setzen.

Immerhin finde ich in der Webseite

„Doch Vorsicht: Läuft die Position nicht in die erhoffte Richtung, ist die Sicherheitsleistung umso schneller aufgebraucht, je höher der Hebel ist. Geschieht dies, wird die Position von den meisten Brokern in der Regel automatisch geschlossen. Denkbar ist aber auch, dass Position dennoch weiter läuft. In diesem Fall könnte es zu einem Totalverlust des eingezahlten Kapitals und schlimmstenfalls auch zu einer Nachschusspflicht kommen. Anleger sollten daher unbedingt ihr Risiko durch das Setzen eines Stopps begrenzen.“

Diese Aufklärung ist wichtig und das Risiko der Privatinsolvenz sollte man stets vor Augen haben.

Ansonsten wird direkt für ein Demokonto geworben,

http://www.brokervergleich.net/forex-demokonto

Ich würde ein Demokonto nicht überschätzen. In der Regel werden dort andere Spreads gehandelt, da die Liquidität anders ist. Ich hatte früher bei rbs stets viel Geld im Demo verdient und weit weniger „produktiv“.

Wenn schon, dann lieber direkt in den echten Markt gehen, aber zuerst mit sehr geringen Einsätzen. Setzen Sie sich realistische Renditeziele. Wenn ich 10.000 Euro Depot habe, dann erwarte ich zuerst max. 15-30% p. a., das heißt 2% oder 200 im Monat. Und das ist verdammt viel, glauben Sie mir!

Ansonsten achten Sie auf Gebühren und suchen Sie unbedingt einen Anbieter mit den garantierten Stopps. Ja, es gibt so etwas, wenn auch gegen Gebühren.

Oder wollen Sie einen zweiten CHF – Crash???

Und nicht vergessen, die Über-Nacht-Positionen sind auch nicht kostenlos. Sie müssen bedenken, dass im klassischen Kassageschäft, zwei Konten gehalten werden müssen

– für Währung, in welcher Sie long sind, dort werden Zinsen ausgeschüttet

– für die verkaufte Währung – dort zahlen Sie Zinsen.

Als Kunde eines FX-Brokers müssen Sie diese Zahlungen durch eine Gebühr begleichen.

Fazit: Durch den harten Wettbewerb ist die Qualität der angebotenen Dienstleistungen deutlich gestiegen und ich würde mich schon an einen FX-Broker trauen. Tun Sie es aber wirklich dann, wenn Sie eine klare Trading-Strategie haben und nicht, um einfach „günstig“ zu spielen. Dann gehen Sie lieber gleich in die Lotto-Annahmestelle, wo ich übrigens am letzten Samstag zwar die Superzahl richtig sonst aber alles falsch hatte und verlor somit 3,25 Euro L

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