Dividenden und Optionen am 22.05.2015 – so läuft es ab.

Am letzten Freitag konnten wir Zeugen eines schönen Naturschauspiels an der Deutschen Terminbörse sein. Zwei große DAX-Unternehmen, nämlich die Deutsche Telekom sowie die Deutsche Bank haben Dividenden ausgeschüttet. Das Spannende dabei war für mich zu sehen, wie sich die Optionspreise der entsprechenden Serien verhalten. Um auch den Wünschen meiner Coaching-Leser entgegen zu kommen, hier ein paar Fakten und meine Beobachtungen.

Der Zusammenhang zwischen Dividenden und Calls/Puts ist nicht ganz trivial. Und es ist Gegenstand zahlreicher „Tipps“ von Börsendiensten, die Gewinne aus den sog. „Saisonalitäten“ versprechen. Glaubt man den Internetforen, leben ganze Scharen von Hedgefonds und privaten Tradern vom Dividendeneinfluss auf Aktienoptionen. Das ist natürlich Quatsch, wie jede andere öffentliche Information.

Zunächst müssen wir verstehen, wie sich die Optionspreise verändern. Hier ein paar Fakten:

  1. Die Anpassung der Preise für Calls und Puts erfolgt direkt nach Bekanntgabe der Dividendenausschüttung, bzw. nach Dividendenveränderung. Zahlt ein Unternehmen bereits seit einiger Zeit, dann geht man davon aus, dass es auch den gleichen Betrag in den folgenden Jahren zahlen wird. Mit der Aktienkursänderung werden die Optionspreise laufend angepasst. Das heißt aber, dass man unmittelbar vor dem Zahlungstermin keinen einfachen risikolosen Gewinn machen kann. Denn alles ist bereits berücksichtigt. Es sei denn, man hat etwas Glück.
  2. 2. Von den Anpassung sind alle Serien betroffen, die nach der Dividendenausschüttung auslaufen. Die Preise der Kauf- und Verkaufsoptionen werden und unterschiedlich angepasst. Die Puts werden teurer und zwar abhängig von Delta – und implizit von dem Abstand des Strikes vom aktuellen Kurs. Je weiter im Geld desto weniger teurer wird der Put. Entscheidend für die Anpassung ist natürlich der Dividendenabschlag.

Die Veränderungen der Call-Preise sind etwas komplizierter. Von der Anpassung ist nur der Zeitwert betroffen, Würde der Call-Preis unter den inneren Wert fallen, dann könnte man bei den Optionen amerikanischen Typs risikofreie Gewinne machen. Beispiel. Die Telekom kostet 17, 00 Euro und der 16,5 Call 0,6. Nach der Bekanntgabe der Dividende, fällt der Call auch etwa 0,55. Würde er auf 0,45 fallen, dann kaufe ich mir eine solche Option und über sie sofort aus.

3 Am Dividendentag ( Ex-Div) fällt direkt nach der Eröffnung der Aktienkurs um den Dividendenabschlag und die Puts bleiben unverändert. Die Calls aus dem Geld hingegen fallen ebenfalls, sofern sie im Geld waren. Deren Zeitwert verändert sich dagegen nicht. Hier wurde bereits die Veränderung des Aktienkurses berücksichtigt.

  1. Gehen wir jetzt zurück an die EUREX am letzten Freitag und betrachten die Aktie der Deutschen Telekom.

Handelsschluss am Vortag war 17,03.

Hier die Optionspreise mit Verfall im Juni am Donnerstag:

Calls

Strike 16,0 1,03 also der Call hat nur den inneren Wert

Strike 17,00 0,25

Alle Serien im Geld hatten keinen Zeitwert mehr. Dies ist auch nachvollziehbar, da man sonst mit den Covered Calls Gewinne machen könnte.

Puts:

Strike 17,0   0,73

Strike 16,5 0,47

Alle Serien im Geld haben den Dividendenabschlag von 0,5 eingepreist.

Serien aus dem Geld haben es ebenfalls allerdings gewichtet mit Delta.

Am 22.05 – den Ex-Dividenden Tag sieht es folgendermaßen aus:

Eröffnungspreise:

Put Strike 17,00 0,76

Put Strike 16,5 0,50

Hier sehen , wir eine geringe Veränderung, da anscheinend der Aktienkurs bereits tiefer als nur um den Abschlag gefallen war.

Call Strike 17,00 0,26

Strike 16,0 0,78

Wir sehen, dass der innere Wert tatsächlich zu Beginn gefallen ist, der Zeitwert dagegen kaum.

Die Eröffnungspreise geben ein etwas verzehrtes Bild wieder, da sie unter Umständen viel später als direkt nach dem Handelsbeginn zustande gekommen sein könnten.

  1. Somit sind wir bei den Gewinnmöglichkeiten gelandet. Wie nutze ich das Optionspreisverhalten vor und während der Dividendenzahlung aus?

Die einfachste Methode ist Kauf von Aktien und Verkauf von gedeckten Kaufoptionen ( Calls). Liegen diese im Geld, werden sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgeübt. Ich verdiene dann nichts, und muss Gebühren zahlen. Werde ich jedoch zufällig nicht ausgeübt, dann hat verdiene ich Geld, denn der Call fällt und mit der Aktie stehe ich auf Null ( Dividenden- Abschlag).

Ein spekulative Variante ist der Verkauf von ungedeckten Calls. Werde ich hier nicht ausgeübt, ist es noch lohnender. Allerdings, hier die Warnung, es wird bei der Ausübung kritisch. Denn ich muss mich am nächsten Tag eindecken und noch zusätzlich die Dividende abführen. Außerdem verlangen Broker wie Consors Strafgebühren für die verspätete Lieferung.

  1. In den Internetforen werden gerne sog. saisonale Strategien angepriesen. Diese können auch den Einfluss von Dividenden ausnutzen. Denn je näher der Dividendentag desto unsicherer werden die Händler und die Volatilität dementsprechend steigt. Ich habe dieses Verhalten auch bei den deutschen Aktien beobachtet, allerdings habe noch keine wirklich tragfähige Idee, wie ich es ausnutzen könnte. Solche Strategien sind meistens sehr aufwändig, da das Portfolio deltaneutral gehalten werden muss. Dies erfordert häufiges Umschichten.

Übrigens bereits nach wenigen Minuten am Ex-Div. Tag sieht die Welt anders aus und der Aktienkurs kann sich viel weiter in eine bestimmte Richtung bewegen. Meine Erfahrung – der Kurs fällt tiefer, wenn der Dividendenabschlag hoch war.

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