DAX-Crash jetzt und in den früheren Jahren

Zunächst eine Anmerkung zu meinem letzten Beitrag. Im Titel tauchte tatsächlich das Stichwort „Jahresendrally“ auf. Aber nur diejenigen, die den Beitrag aufmerksam gelesen haben, wissen, dass ich es eher mit Augenzwinkern gemeint habe.

Ich schrieb „Ich erwarte nicht eine Rally wohl jedoch, dass der DAX aus dem Dreieck ausbricht.“

Das ist doch geschehen, oder?

Danach kam der verhängnisvolle Satz „Insgesamt rechnet man mit steigenden Kursen, bis die September-Korrektur beginnt. Ich wüsste nicht, was die Händler langfristig positiv einstimmen sollte. Bis auf die Jahresendrally, die vielleicht doch schon jetzt beginnt. Wer weiß…“

Ich wollte doch damit nur sagen, dass aus meiner Sicht kaum ein Grund für einen Anstieg in den Märkten spricht. Da aber Märkte halt spekulativ sind, könnten sie sich andere Gründe aussuchen, um der Baisse zu entkommen.

Zu der Korrektur der letzten Tage. Kein Mensch wusste, dass sie ausgerechnet jetzt kommt, auch wenn jetzt viele eigene angeblich perfekte Prognosen zitieren. Alles Zufall. Solche Ereignisse kommen überraschend und erwischen die meisten auf kaltem Fuß.

Viele Gründe sprachen seit langem für fallende Kurse. Über einige habe ich oft in den letzten Beiträgen geschrieben:

  • Schwache Unternehmensergebnisse
  • Allgemeine weltweite Konjunkturschwäche; diese zeigt sich unter anderem durch schwache Nachfrage nach Rohstoffen
  • Unruhen in allen Ecken der Welt und die drohenden Bürgerkriege in Europa
  • Hohe Shortpositionen bei Hedgefonds
  • Erwartete Zinserhöhungen

Dennoch habe ich nicht auf fallende Kurse gewettet, bis auf mein Wikifolio, das grundsätzlich auf große Veränderungen wartet und deshalb besonders von der Entwicklung der letzten Tage profitiert hat.

Nein, es ist Quatsch zu behaupten, man hätte nach den ersten sehr schwachen Tagen die kommende Katastrophe sehen müssen. Wie oft in den letzten Jahren fielen die Indizes stark, um am nächsten Tag wieder 3% anzusteigen?

Zu der Charttechnik nur ein paar Kommentare. Der DAX steht zurzeit bei der 50% Fibonacci-Korrektur. Die Korrekturzone endet bei ca. 9800. Die 200-Tage Linie ist unterschritten.

Der Index kann natürlich am Montag so richtig einbrechen, danach sollte er aber dennoch zunächst leicht steigen und zum Wochenende erwarte ich panikartige Käufe. Ob es eine Wende bedeutet, glaube ich nicht wirklich.

Dieser Crash wäre nicht der erste, den ich erlebt habe und der erste den ich investiert und dennoch vorbereitet erlebt habe. Zwar habe ich wieder mal keinen Gewinn bis dato, aber habe eine Strategie, mit welcher ich ihn überleben werde.

Im 2000 fielen die Kurse wie aus dem nichts und alle sprachen von einer gesunden Korrektur. Man rechnete mit einer Gegenbewegung, die jedoch nie kam.

In 2007-2008 sah es lange nicht danach aus, dass die US-Krise überhaupt auf Europa überschwappen kann. Die Kurse schwankten und fielen von 8000 zunächst auf 5000 um kurz später auf 3000 abzurutschen. Das war im Oktober 2008. Danach ging es nur noch aufwärts.

Fazit:

Es könnte der Beginn einer längeren Baisse. Bloß die Ursache steht noch nicht fest, bzw. ist nicht der Öffentlichkeit bekannt. In 2000 war es die Überbewertung der Tech-Aktien und 2002 der Irak-Krieg. 2008 waren es die USA. Und jetzt? Sollen die Aktienkurse nicht schnell die alten Höhen zu erreichen versuchen, droht ein Sturz auf unterhalb 5000.

Was habe ich gelernt. Im Jahr 2000 war ich insofern vorbereitet, dass ich zufällig kaum investiert war. Die erste Immobilie wurde gekauft. Im 2008 allerdings wurde ich mit verkauften nackten Puts auf kaltem Fuß erwischt. Ich war im Urlaub und habe dann am nächsten Tag panikartig die Puts glatt gestellt. Übrigens ist der DAX seit diesem Tag nur noch gestiegen. Deshalb habe ich seitdem stets eine Gegenposition. Das macht mich auch nicht reich, da natürlich ein entsprechender Verlust einkalkuliert ist. Dennoch überlässt mir diese Variante einige Alternativen offen. Durch die gestiegene Vola und Skew kann ich relativ einfach den Spread zurückkaufen und einen neuen tiefer verkaufen. Ich gehe zwar ein größeres Risiko ein aber die Chancen, dass der Index dreht steigen ebenfalls.

Jedenfalls kann damit besser schlafen. Mal schauen, was die Woche bringt.

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Kommentare

  • Dalibor  On August 24, 2015 at 9:33 am

    Lieber Adrian Gohla,

    ich musste mich doch durchringen mal kurz zu schreiben…Seit längerem lese ich mehr oder weniger regelmäßig Ihren Blog.
    Nicht, dass wir immer einer Meinung sind… Aber unterschiedliche Meinungen und Einschätzungen sind wichtig, da sonst die Gefahr einer herdengetriebenen selektiven Wahrnehmung groß ist.

    Meine Anmerkung: Die Gründe sind durchaus bekannt und liegen nicht in China. China ist nur ein Symptom und nicht der Grund…
    Das folgende Basis-Szenario tritt seit Jahren immer deutlicher hervor. Rohstoffe sinken, Immobilien sinken, Inflation sinkt, jetzt endlich auch die manipulierten Akten…

    Kurzfristige Bewegungen in andere Richtungen haben leider den Blick verstellt, ändern jedoch am folgenden Grundszenario nichts. Seit Jahren baut setzt sich die Deflation immer schneller und stärker durch, die bereits seit Anfang der 2000er Jahre programmiert ist (Stichwort Kondratieff-Zyklus). Die treibende Kraft ist die sogenannte “schöpferische Zerstörung” wie Joseph Schumpeter, der österreichische Ökonom, sie nannte.

    Der Mainstream wird es schon bald realisieren, jedoch zu spät.

    Besten Dank, dass Sie ihre Meinungen und großen Erfahrungen mit der Leserschaft teilen. Es macht mit Freude diese zu lesen. Ich wünsche Ihnen persönlich weiterhin alles Gute, ein glückliches Händchen und vor allem viel Gesundheit und Freude, das ist ohnehin das Wichtigste!

    Herzliche Grüße aus München!
    Dalibor Bulic

    • Adrian Gohla  On August 24, 2015 at 2:01 pm

      Danke, die Gründe sind jetzt klar geworden, allerdings auch für mich die Bestätigung, dass die beste Strategie darin besteht, lange auf den Super GAU zu warten. Sie brachte immer Gewinne. Ich muss zugeben, am Ende wusste ich nicht mehr warum die Kurse stets steigen, nachdem immer wieder neue schlechte Nachrichten erschienen. Ich verpennte es trotzdem, obwohl man schon seit Wochen im Vola-Chart (VDAX) einen sich andeutenden Cluster erkennen konnte, analog 2008.

  • Thomas  On August 24, 2015 at 10:44 am

    Schön zu sehen, dass wir bei allen Deinen Aussagen übereinstimmen 😉
    Man muss zunächst verstehen, dass man nie weiss was kommen wird aber man muss auf alles vorbereitet sein. Das klappt natürlich nur eingeschränkt, denn ohne Risiko kein Gewinn, aber man kann sich zumindest bemühen. Einen 20% Einbruch kann man nicht abfedern, hier hilft nur genügend Liquidität, um zumindest handlungsfähig zu bleiben. Darauf zielen auch immer wieder meine Posts ab. Die Volatilität ist aktuell auf Höchststand und die Panik ist gross. Wäre der DAX alleine auf der Welt, dann würde ich bereits jetzt auf steigende Kurse wetten wollen.

    • Adrian Gohla  On August 24, 2015 at 1:57 pm

      Ja, Thomas, ich lerne auch immer wieder gerne von Dir. Vor allen den gesterigen Beitrag fand ich gut, habe nicht kommentiert, da es bei Dir etwas umständlich mit der Legitimation ist :-). Wie gesagt seit 2008, wie auch bei Dir, bleibt niemals eine Position ohne Gegenposition über Nacht. Auch wenn der Abstand zwischen den Strikes groß ist, bei der aktuellen Vola und Skew, könnte ich locker die Positionen zurückkaufen und neue mit Absicherung tiefer verkaufen mit der gleichen Prämie und etwas mehr Risiko Ich mache es nicht, kaufte hingegen offene Puts heute morgen. Ich werde sie mal hedgen, im Moment ziehen sie an. Gruss.

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