Traue keinem Brokervergleich oder Bullshit-Bingo für Online – Trader

Seit 1997 handle ich Derivate bei einem deutschen Online Broker. Und ich bin zufrieden.  Ich wechselte den Broker noch nie. Zeitweise war ich aber zusätzlich bei anderen CFD-Brokern angemeldet. Und auch dort war ich zufrieden. Bei mir kam es weder auf die besondere Konditionen noch eine schöne Handelsplattform sondern auf die Zuverlässigkeit und niedrige Kosten an. Und natürlich auf die eigenen Handelsideen an.

Mehrfach habe ich über sogenannte Online Broker geschrieben- die Geschäftskonzepte, Service. Die Onlinebroker bieten in der Regel  folgende Produkte an: CFD auf alle erdenklichen Basiswerte und Binäre Optionen. Über die Letzteren schrieb ich sogar zuletzt vor einer Woche.  OK, Zertifikate, ETF, Aktien kann man ebenfalls bei Onlinebrokern erwerben. Oder an den Terminbörsen handeln. Das sind jedoch reine Vermittlungsgeschäfte und stehen anscheinend nicht im Fokus der Werbestrategen. Denn der Kauf von Aktien bringt ja nur die Provision. Dagegen sind Binäre Optionen und CFDs ein Geschäft mit dem eigenen Vorteil. Der Kunde handelt direkt gegen den Anbieter, der die Preise aufstellt. Deshalb wollen immer wieder neue Unternehmen Online – Broking anbieten. Lassen Sie sich nicht irritieren. Sowohl FX-Broking, als auch FOREX-Handel sind in diesem Zusammenhang nur CFDs (Contracts for Differences) und haben mit dem klassischen Devisenhandel: Spot, Forward und Swap wenig zu tun, bzw. sind eine sehr abgespeckte Version. Sie stellen einen sehr geringen Betrag zur Verfügung, um ihn zu verlieren, um einen großen zu handeln.

Online-Broking ist kein einfaches Geschäft trotz des überschaubaren Geschäftsmodells, s. meine früheren Beiträge. Die potenzielle Klientel ist nicht sehr groß. In Deutschland liegt die Anzahl der spekulativ orientierten Investoren im fünfstelligen Bereich.

Inzwischen habe ich den Eindruck, dass nicht die Anzahl der Broker sondern die deren Vergleichsportale exponentiell steigt. Geben Sie irgendeinen  Begriff mit dem Wort „FX Broker“ ein. Sie bekommen eine ganze Reihe ähnlich klingender Begriffe zurück, die die besten Voraussetzungen für ein Bullshit-Bing darstellen:

Forex-Vergleich, Broker-Test, deutsche-FXB-broker, FOREX-Handel, Devisenhandel, Direktbankenvergleich, Aktiendepotvergleich, Brokervergleich …. Und danach folgen sämtliche Anbieter mit eigenen „Vergleichsseiten“.

Hängen Sie ein. *.de oder *com an und schon ist die neue Seite fertig.

Die Botschaft ist überall die gleiche:

  • Wie funktioniert FX trading resp. Binäre Optionen
  • Konditionen
  • Die angeblich „zufällige“ Auswahl der Broker

Inhaltlich unterscheiden sich die Vergleichsporttale kaum voneinander.

Ganz ehrlich, wenn ich heute vor der Wahl eines Brokers stünde, wäre ich bereits bei der Wahl des Vergleichsportals überfordert. Da ich jedoch seit vielen Jahren als Online Investor unterwegs bin, habe ich inzwischen etwas mehr Gespür für die richtige Wahl.

Ich würde nur auf die folgenden Merkmale bei der Brokerauswahl  achten:

  • Wie lange im Markt

Deutsche Sprache im Webauftritt

  • Einlagesicherung gegeben
  • Keine Kommissionen für CFD – Handel
  • Telefonische Erreichbarkeit inklusiv der Möglichkeit, ein den Markt einzugreifen.

 

Alle anderen Kriterien wie Spread-Größe, Schulungsmaterial sind überflüssig. Mit dem Spread wird ja eher selten die Wahrheit gesagt. Viele Seiten nennen den durchschnittlichen Spread bei 1 Pip, während er für einige Paare bei 9 liegen könnte.  Also ignorieren Sie den Spread. Aufgrund der hohen Konkurrenz können sich die meisten eher keine große Abweichung leisten.

Schulungsmaterialien brauchen Sie auch nicht. Normalerweise müssen Sie bei der Kontoeröffnung ohnehin Ihre Kenntnisse / Erfahrung bestätigen. Und abgesehen davon, finden Sie im Internet genug Infos.

Wichtig ist, wie oben geschrieben, eine Seriosität und physische Präsenz. Der Broker muss existieren als Firma und telefonisch erreichbar sein.  Der Idealfall ist, Sie können jederzeit anrufen und um eine Ordererfassung bitten. Sie können sich nicht vorstellen, wie froh ich bin, wenn ich unterwegs ohne Internet bin und plötzlich fällt mir ein, ich muss eine Position schließen. Nicht wenige Broker lassen sich nur für technische Fragen kontaktieren.

Seriosität und physische Präsenz erkennen Sie auch  in der Unternehmensstruktur. Welche Firma steckt dahinter?

Eine „Innovation“ unter den Vergleichsportalen ist deshalb die folgende Seite

http://www.abzocktest.com/online-broker/forex/

und zwar nicht nur wegen des nicht vorhandenen Impressums und einer Umgangssprache, sondern weil sie etwas mehr über die Unternehmen hinter den Broker zu schreiben versucht. Und so finden wir diverse Holding auf Zypern wieder. Es ist recht spannend, wenn ich lese:

Auf der einen Seite handelt es sich um die Firma SafeCap Investments Limited, die bereits für viele andere Angebote im Bereich des Handels mit binären Optionen, Forex und CFDs bekannt ist. Zu SafeCap gehört zum Beispiel TopOption. Aber auch der große und beliebte Forex und CFD Broker Markets.com untersteht dem Unternehmen. Auf den Internetseiten von Trade.com wird mehrfach auf SafeCap hingewiesen. Anscheinend wurde Trade.com von SafeCap bereits im Jahr 2009 aufgekauft. Teilweise heißt es im World Wide Web auch, dass ein 2006 gegründetes Unternehmen mit dem Namen Arbat Capital Limited lediglich umbekannt worden ist. Dann wiederum müsste Trade.com seine Ursprünge im Jahr 2006 haben.

Es hört sich wie ein Wirtschaftsthriller. Es wird einem bewusst, wie „dynamisch“ die gesamte Branche ist. Das betrifft auch etablierte Banken, die das Online-Brokerage  anbieten.

In der Tat, fand ich solche Details noch nirgendwo. Außerdem wird ausführlich über die Regulierung und Sicherheit geschrieben, was natürlich nicht unwichtig ist. Allerdings ist bei den „getesteten“ Brokern nicht zu befürchten. Irgendeine europäische Aufsichtsbehörde würde sich schon kümmern:

„So kümmern sich besonders die CySEC, die BaFIN, die CONSOB (Italien), die CNMV (Spanien), die Niederlande (AMF) und Dänemark (FSA) um die Probleme, die theoretisch anfallen können.“,steht in der Website bei einem Broker.

Mich Überrascht die Auswahl der dem „Abzocketest“ unterzogenen Broker. Die ganz großen und bekannten unter ihnen fehlen. Sie sie wirklich seriöser bzw. weniger ausfallgefährdet? Nein, die Online Broker wechseln öfter die Eigentümer als man denkt. Ich führte mein Konto einst bei ABN –Amro und handelte dort Marketindex. Alles längst Geschichte.

Schade, dass nur so wenige Anbieter in dieser geheimnisvollen Seite auftauchen. Denn ich wollte demnächst nach einem neuen EUREX – Broker Ausschau halten und fand einen günstigen Kandidaten erst mit relativ viel Mühe  unter degiro.de

Ein weiterer Aspekt, der bei der Brokerwahl eine wichtige Rolle spielt, ist die Lebensdauer im Markt. Wie robust ist der Broker gegen seltene aber heftige Ereignisse, wie die Aufwertung des Schweizer Franken nach der „Franken-Freigabe“ vor 1,5 Jahren.

Und natürlich nicht wegzudenken sind Kommissionen. Gebühren sind der häufigste Wechselgrund. Lesen Sie Preisverzeichnis aufmerksam. Wenn es heißt, ich zahle an der EUREX 0,75 Euro pro Kontrakt. Dann sind folgende Fragen zu beantworten:

  • Weitere Gebühren?
  • Mindestgebühr?
  • Limit- und Löschungsgebühren?

 

Der letzte Schritt bei der Brokerwahl ist ein Demo-Konto. Das sollten alle anbieten. Sie sollten dennoch die Bedeutung des Demozugangs nicht überbewerten. Sie bekommen lediglich einen Einblick, wie die Handelsplattform funktioniert, nicht jedoch, ob Ihr Handelsansatz gut ist. Demokonten sollten Kunden anlocken und sie nicht abschrecken. Ich war bei Marketindex stets  mit dem Demokonto erfolgreicher als in der „Produktion“. Wie auch immer es der Broker geschafft hat, den Preis zu manipulieren…

„Paper-Trading“ – das geht nur mit dem echten Account. Nur so bekommen Sie die echten Spreads.

 Fazit:

Ich mag markante und simple Schlussfolgerungen, gebe ich zu. Wenn Sie einen Onlinebroker suchen, dann fragen Sie sich zuerst, wer dahinter steckt, wieviel kann ich verlieren im Insolvenzfall und wieviel spare ich an Gebühren. Ansonsten auch meine weiteren Punkte, s. oben.

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