Warum sich das CFD-Geschäft lohnt

Mit dem Thema CFD kann man unter Börseninteressierten immer schön polarisieren. Mein Artikel aus dem Jahre 2009, übrigens eher von unterdurchschnittlicher Qualität, gehört auch nach 7 Jahren zu den meistgelesenen.
Es ist dennoch ruhiger geworden um die Contracts fof Difference. Auch Skandale und Betrugsfälle kommen seltener vor. Umso schwieriger wird es, objektive Informationen zu finden. Der Markt ist verteilt und seine Teilnehmer professionell. Der Neuling im Geschäft wird zwar genüg Informationen finden, wie ein Konto eröffnet, das Geld eingezahlt und die Handelsplattform installiert wird. Er wird aber keine große Auswahl der Informationsquellen vorfinden.

Egal wie er die Suchanfragen in Google formuliert, es kommen fast die gleichen Ergebnisse zurück. Meistens sind es Portale, die CFD-Broker „testen“ bzw. bewerten und ein paar zusätzliche Tipps geben.
Geben Sie „CFD Broker“ in Google ein, dann bekommen Sie:
– Zuerst mehrere bezahlte Werbeanzeigen
– Dann diverse Portale, deren Namen eine Kombination der folgenden Begriffe sind: Broker, Deal, Vergleich, Test, Deutsche Broker, Bewertung, FX. Auch diese Seiten sind nichts anderes als bezahlte Werbeanzeigen. Ihre Tricks, Kundschaft zu locken werden immer raffinierter. So finden Sie im Namen der Seite neuerdings auch „Betrugstest“. Mit anderen Worten wenn jemand glaubt durch Begriffe wie „CFD Betrug“ mehr „Insiderdetails“ zu bekommen, wird ebenfalls enttäuscht.
Anscheinend spricht vieles für das Geschäftsmodell der CFD-Broker. Ich will es herausfinden.

Lassen Sie mich eine der besten bzw. am häufigsten angezeigten „Informations- und Bewertungsseiten“ unter die Lupe nehmen. Zum Beispiel
http://www.cfd-brokervergleich.com

listet die „besten“ CFD Broker auf. Wir finden bekannte Namen, Admiral, Plus 500 FXFlat.

Schauen wir uns die FXFlat Wertpapierhandelsbank GmbH an. Sie ist nämlich die einzige in der o. g. Liste, die anscheinend in Deutschland ihre Bilanzen erstellt oder sie zumindest in Bundesanzeiger veröffentlicht.
https://www.bundesanzeiger.de/
Bitte FXFlat als Suchbegriff eingeben.
Die Firma ist natürlich wie die anderen mit diversen Partnern wie Interactive Brokers vernetzt. Mangelnde Transparenz ist in der Branche eher die Regel, denn Ausnahme
FXLFlat verdient viel Geld, was or allem dem Online Brokerage zu verdanken ist.
Die Provisionserträge liegen über 3 Millionen und das bei einer Bilanzsumme knapp über 1,5 Millionen.
Diese Zahlen sagen alles. Bei den anderen Brokern dürfte es ähnlich ausschauen.
Das Geschäftsmodell eines CFD – Brokers ist denkbar einfach. Offiziell läuft es folgendermaßen.
1. Sie melden eine Firma an, am besten auf Zypern oder anderswo, wo mich die harte deutsche Regulierung nicht betrifft. Also eine Art Briefkastenfirma.

2. Sie sorgen für eine gute Internetseite, Kostenfaktor 12.000 Euro.

3. Sie besorgen Personal. Dieser Posten beträgt bei FXFlaat ca 1.000.000, was etwa 12 Mitarbeitern entspricht.

4. Sie kaufen sich eine Software, Kostenfaktor ist schwer abschätzbar. Entweder haben Sie die Handelsplattform selbst entwickelt, was etwa 1-2 Millionen kosten kann. Oder sie haben Lizenzen, was jedoch eine Wartung in Höhe von mind. 100.000 Jährlich nach sich zieht. Am besten Sie beschäftigen Mitarbeiter, die die Software kennen und warten können. Ich selbst war für einen Softwareentwickler als Analyst und Berater unterwegs, deswegen weiß ich etwas mehr darüber. Die Firma hat übrigens den S-Broker entwickelt.

5. Jetzt wird spannend – wie wird das Geld verdient? Denn die öffentliche Version ist einfach. Der Broker stellt Quoten – Kauf- und Verkaufskurse zum Abschluss der Kontrakte auf alle möglichen Basiswerte: Devisen, Aktien, Rohstoffe. Die Quoten für DAX sollten die amtlichen der Deutschen Börse sein. Aber sind sie wirklich zeitnah und damit exakt die gleichen wie von der Deutschen Börse? Ich glaube nicht, dass CFD-Broker dazu verpflichtet sind.

6. Das ist die entscheidende Frage. Gegen jede Order müsste sich ein CFD-Broker absichern. Wenn ein Kunde den DAX kaufen will, dann müssen Sie als Broker verkaufen. Wenn der DAX steigt, dann verlieren Sie. Der Broker ist quasi der Markt, was den meisten Kunden nicht bewusst ist. Strenggenommen stehen Ihre Chancen als Broker 50/50. Sie müssten eigentlich stets einen Gegenposition eröffnen, sobald der Kunde mit Ihnen handelt. In diesem Falle bedeutet das, Sie kaufen den DAX als Future an der EUREX. Dann verdienen Sie auf jeden Fall die kleine Differenz zwischen dem Kaufkurs an der EUREX und dem Verkaufskurs an den Kunden.

7. Noch besser – Sie finden stets einen anderen Kunden, der gleichzeitig den DAX verkaufen will. Das ist das Idealszenario. Sie müssen keinen Hedge eröffnen und verdienen dennoch den Spread zwischen Kauf und Verkauf.
Fazit: CFD Broker verdient immer, wenn etwa genauso viele Kunden kaufen und verkaufen. Dies dürfte dennoch selten der Fall sein. Es gibt Börsentage, wo alle verkaufen wollen. Die 1000 aktiven FXFlat Kunden würden es ebenfalls tun. Und was dann? Also doch wie im Punkt 6.Sie müssen gegen jeden Verkauf einen Verkauf an der EUREX eröffnen. Das wäre aber sehr teuer trotz der vielen Spread-Punkte und bestimmt nicht der Kern des CFD-Geschäftsmodells.

Oder doch?

Ich berichtete bereits vor Jahren in einem umstrittenen Blogbeitrag über meine Erkenntnisse, die ich in einem Gespräch mit einem CFD –Händler gewann.
https://invest-signale.de/2009/01/15/warum-man-laut-insider-mit-cfds-nur-verlieren-kann/
Neulich sprach ich mit einem Bekannten, der als Freelancer bei einer Bank arbeitete, und dort Einblicke in die Strategien der CFD-Händler bekam.
Beide bestätigten meine Vermutungen.
Die CFD-Broker schauen weniger auf Einzelgeschäfte sondern sie beobachten die Kunden etwa wie eine Spielbank. Das wichtigste ist der Cashflow. Die Einlage, sobald sie auf dem Konto des Brokers auftaucht, gilt als vereinnahmt. Jetzt kommt es darauf an, die Rückzahlung zu verhindern. Das muss jedoch gar nicht die Aufgabe des Brokers sein.

Die meisten Kunden verlieren früher oder später. Nur weniger haben nach einem halben Jahr mehr auf dem Konto, als sie eingezahlt haben. Im Prinzip ist es nur die Frage wann und wenige ob sie das Konto einmal wieder schließen.
Der CFD-Broker weiß das und trifft Prognosen zu den Überlebenschancen der einzelnen Kunden. Hierbei kommt es entscheidend auf die Kontogröße an. Die kleinen verlieren schnell einen großen Teil des Kontos und schließen es früher. Es gibt hier Risikomodelle, vergleichbar mit Hypothekenkrediten.
CFD-Broker verfügen über Statistiken über Ausfallraten der Kunden und richten die Hedging-Strategie danach. Mit anderen Worten – wenn in meiner Kontoklasse ca. 80% der Kunden verlieren, dann reicht es doch vollkommen aus, wenn ich mich nur gegen 40% der Aufträge absichere. Mit einer Ausnahme – nachts bleiben die Bücher bzw. abgesichert. Und ich muss rechtzeitig wahrnehmen, wenn jemand lange zu viel verdient. Bitte nicht falsch verstehen. Ich glaube nicht, dass CFD-Broker Kunden rauswerfen, wenn sie zu erfolgreich sind. Aber, erstens, sie dürfen es und zweitens, diese Kunden werden zumindest beaobachtet.
So einfach ist das.

Der Vergleich zum Spielkasino ist naheliegend.

Und noch eines dürfen Sie nicht vergessen. Die Einlagen bei einem CFD Broker sind mit Einlagesicherung abgesichert. Nicht jedoch die CFD-Positionen! Es sind keine Aktien, Anleihen oder Gold, sondern nur Wetten.

Eine besonders spannende Variante des Geschäftsmodells ist mehr meine eigene Erfindung. Über Details kann ich mit den Interessenten gerne reden. Bitte die E-Mail im Impressum benutzen.
Stellen Sie sich vor, die Kurse sind um 1-2 Sekunden verzögert. Das heißt, der DAX steht um 10:00 Uhr bei 11.000. Die CFD-Plattform zeigt den Kurs von 10:59:58 Uhr nämlich 10999. Um 10:00 Uhr geht eine Kauforder ein, Sie bezieht sich auf den Kurs 10999. Sie wissen aber, der nächste Kurs wird höher liegen und Sie als CFD-Broker müssten sich absichern, sonst verlieren Sie Geld. Wenn der Kunde verkaufen will, dann brauchen Sie nichts tun.
Die Idee ist denkbar einfach, die Software marküblich. Damit wissen Die sofort, ob eine Absicherung notwendig ist oder nicht. Allerdings taugt diese Strategie fast nur gegen extreme Kurzzeittrader, die in einer Sekunde die Position beenden…Ob es viele sind…? Eher nicht. Wenn ich einen großen Aufwand für Softwareentwicklung betreibe, dann gehe ich lieber gleihc in den Markt.

Ich vermute dennoch, einige CFD-Broker nutzen dieses Modell längst. Eine der Auffälligkeiten, über die man auch in Testberichten zu lesen ist, s. http://www.cfd-brokervergleich.com/, ist die Abweichung zwischen Demo und Echten – Konten. Die Demos sind oft erfolgreicher…

Bitte keine falschen Konklusionen au diesem Artikel ziehen.
Würden Sie auf VW –Kauf verzichten, nur weil Sie wissen, das Unternehmen verlangt durch Marketing und Werbung überhöhte Preise? Ich glaube es nicht. Ich selbst würde zwar nie einen VW kaufen, aber die anderen potenziellen Kunden lassen sich nicht einmal durch den Diesel-Skandal abschrecken.

CFD sind etablierte Finanzprodukte, die ich auf jeden Fall den exotischen Zertifikaten vorziehen würde. Sie stellen ordentliche Software zur Verfügung und bieten fast immer anständigen deutschsprachigen Service an. Und zahlreiche Schulungen oben darauf.
Es lohnt sich trotzdem zu wissen, warum die Broker so professionell sind. Und ich würde trotz der vielen CFD-Broker-Vergleichsportale eine deutsche Bank suchen, die CFD anbietet, aber acuh andere Dienstleistungen. Vor allem, wo ich mein Geld auf einem echten Konto halte.

Über andere Aspekte des CFD-Trading habe ich zu genüge geschrieben.
– Keine offene Positionen über Nacht, es sei denn mit garantierten Stopps. Oder Sie können zum jeden Kurs abrechnen. Bei FX-Trades mit 100 – Hebel, bedeutet das, wenn Sie 10.000 einsetzen und der FX-Kurs um 1% gegen Sie geht, dann sind Sie die Einlage los.
– Bedenken Sie die Zinsen, die für marginbesichrte Positionen anfallen. Über Jahr können sich dabei bei Vieltradern 20-30% ergeben.
– Den Marktzugang DMA nutzen
– Wenig handeln

Übrigens ich kenne nur einen CFD-Millionär Peter Cruddas den Gründer CMC Markets.
https://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Cruddas

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Kommentare

  • Tobi  On August 1, 2016 at 8:18 pm

    Guter Artikel mit schöner Pointe.
    Mich wundert, dass Du beim Artikel zu den Binären mE so erstaunlich unkritisch warst.

    • Adrian Gohla  On August 1, 2016 at 9:22 pm

      Bleiben wir sachlich. In allen (es dürften fünf sein) Artikeln schrieb ich stets meine Meinung. Im letzten Artikel über Binäre machte ich mir Gedanken über finanzmathematische Grundlagen der Optionspreisbewertung. Warum sollte ich dabei ktitisch sein. Man findet entweder (nur) Werbung oder Master-Thesen. Ich kombiniere gerne beides.

  • Tobi  On August 2, 2016 at 12:11 am

    Mea Culpa. Unsachlich oder respektlos wollte ich nicht sein. Mit unkritisch meinte ich „dass du nicht genauso kritisch wie in diesem Artikel“ warst.

    Binäre sind in ihrer Komplexität verglichen mit CFDs meines Erachtens halt mindestens eine Zehnerpotenz höher. Meines Wissens gibt es keine analytisch-geschlossene Lösungsmöglichkeit, sondern nur die MC-Simulation zur Bewertung… kein Retail-Kunde auf der Welt wird die durchführen. Ergo: Intransparenz = Marge. Man hat also den Überbau der CFD-Broker kombiniert mit einem extrem undurchsichtigen Instrument.
    Ich hatte nicht das Gefühl, dass du die Binären im letzten Entry verteufelt hast. Meine Meinung: Gefühlsmäßig sollten diese aber verteufelt werden.

    Hintergrund: Zufall aber wahr, ich hab vor wenigen Jahren meine Master-Thesis über das Pricing von einer Zertifikateklasse angefertigt. Mein Ergebnis: Die Theoretische Marge ist erstaunlich gering. Bonuszertifikate würde ich allerdings auch alles andere als exotisch klassifizieren.

  • bananenbully  On August 2, 2016 at 1:01 pm

    Das war ein Prima Beitrag,

    habe zwar doch 2 kleine Anmerkungen, die ändern aber nicht die Grundaussage 🙂 zum einen ist bei Ig Markets gut zu sehen, wie das aktuelle Sentiment der Anleger aussieht. Ein Anstieg im Dax führt zu Verkäufen von long Positionen und Käufen von short Positionen und umgekehrt. Sollte die Mehrzahl aller privaten Kleinhändler verkaufen wollen, wird der Kurs schneller fallen, als sie bereit sind auf den Verkaufsbutton zu drücken oder der Kurs wird steigen. zum Beispiel bedeutet dies, dass der Kurs direkt unten beginnt, wie beim Brexit. Alle wollen verkaufen finden aber nur noch Kurse vor, wo es echt weh tut zu verkaufen und tatsächlich steigt der Kurs danach wieder. Es war also ein Fehler zu verkaufen. Aktuell kauft die Masse seit Tagen eher short und die Kurse steigen und steigen, bis auf heute.

    Die andere Anmerkung man müsste 40 % der Depots hedgen. Gehen wir davon aus, dass der größere Teil der Depots daneben liegt und ein kleiner Teil richtig, dann sind automatisch 40 % gehedgt, da die, die richtig liegen einen Teil derjenigen, die falsch liegen, hedgen. Man braucht als Broker eigentlich gar nichts tun 🙂

    Was mir auffiel, dass zu ganz bestimmten Wirtschaftsnachrichten die Kurs binnen 1/10 Sekunden hoch schossen, alles abräumten und danach wild hin und her schossen, um dann wieder zu fallen. Man also offensichtlich derartige Nachrichten zum Abräumen missbraucht. Dabei waren die Kurse der Broker in der Spitze recht unterschiedlich. Obwohl der eine es Dax nennt, richtete sich der Kurs mehr nach dem Future. Man hat dann durchaus Chancen zu reklamieren. Auch gibt es ein paar Broker, die einem das Minus erstatten, wenn es z.B. durch ein Gap über Nacht entstand. Allein die Summen, die man dabei bereit ist zu erstatten, lassen mich bereits eher vermuten, dass es ein Computerspiel ist und keine Geldanlage, obwohl man sicher über CFDs auch seine Geldanlage tätigen kann.

    In meinen Augen gehören sämtliche Derivate und Leerverkäufe verboten. Nur der reine Handel von Aktien und Anleihen sollte erlaubt sein. Solange das nicht ist, muss man das Beste draus machen. Das bedeutet für mich einen EA im CFD Bereich nutzen, der dauerhaft Gewinne erwirtschaftet. Davon gibt es wenige Strategien, aber es ist möglich.

    • Adrian Gohla  On August 2, 2016 at 8:32 pm

      Danke für den langen Kommentar. Schon wollte ich umblättern und dann sehe ich “ sämtliche Derivate und Leerverkäufe verboten.“. 🙂
      Nee, auf keinen Fall. Gott sei Dank , gibt es sie! Anleihen? Gibt es Instrumente, die ruinöser sind und mehr manipuliert werden als Anleihen? Aktien kombiniert mit echten Optionen führen zu guten Investments. Ev. kombiniert mit Futures oder Forewards. Über andere Derivate, die oft nur reine Schhuldscheine der Banken sind, habe ich zu Genüge geschrieben…
      Übrigens gibt es garanntierte Stop Loss bei einigen Brokern. Diese ksoten aber explizit ein paar Euro. Zuletzt habe ich sie bei IG markets gesehen.

      • bananenbully  On August 2, 2016 at 9:39 pm

        ja sicher aus Sicht eines Traders, können wir glücklich sein, dass es Derivate gibt. 🙂 Gerecht ist es aber nicht, eine Menge Anleger, werden eher am Markt Geld verlieren und so ihr Mühsam erspartes Kapital den großen überlassen.

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