EUREX-Verfall – Ratschläge aus den letzten 20 Jahren

Am letzten Freitag war es wieder so weit. Und wieder passierte weniger als von den meisten erwartet. Ich wollte heute etwas nachdenklicher auf meine letzten 18 Jahre als nebenberuflicher Trader an der EUREX zurückschauen. Es waren verschiedene Lebensphasen und der EUREX-Verfall vereint sie gewissermaßen. Ich fing an, damals noch als Mitarbeiter einer großen Bank im Beriech Terminhandel, 1998 an der Deutschen Terminbörse an, Optionen zu handeln. Zuerst waren es Covered Calls. Ich schrieb also Kaufoptionen auf meine Aktienbestände, vorwiegend der Deutschen Telekom. Später kamen DAX-Optionen hinzu, in verschiedenen Strategien. Bis heute hat sich diesbezüglich nicht viel geändert. Die Produkte sind die alten geblieben. Aber ich bin profitabler geworden. Optionen sind für mich ein wesentlicher Bestandteil meines regelmäßigen Einkommens. Ja, auch wenn der Markt einbricht oder durch die Decke geht, werde ich am Ball bleiben. Nichts wird mich mehr auswerfen. Und das ist ja das Wichtigste in diesem Geschäft.

Was habe ich in diesen doch sehr unterschiedlichen Börsenjahren gelernt? Meine Erfahrungswerte entstanden in drei großen Phasen: 1998-2003- Dotcom Boom und sein Zusammenbruch, 2003-2008 nächster kurze Aufschwung ausgelöst durch die US-Hypotheken-Rally. Und 2008-2018 die niedrigzins-Rally, die bis heute zu dauern scheint. Während der meisten Zeit herrschte also der Bulle an den Börsen. Habe ich davon profitiert? Ja, aber nur am Anfang und zum Schluss. Dazwischen herrschte entweder zu viel Skepsis oder reiner Spieltrieb. Das ist aber eine Nebensächlichkeit.

Was habe ich in diesen Jahren über den EUREX-Verfall gelernt?

Zunächst, das diese Verfall einmal früher, andersmal später kommt. Immer am dritten Freitag im Monat kann sowohl am 15. als auch am 21. des Monats sein. Und dass bedeutet auch unterschiedliche Laufzeiten der Optionen. Man merkt es am schnelleren Zeitwertverfall. Man sollte sich dessen bewusst sein.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass der EUREX-Verfall inzwischen immer weniger Einfluss auf den Gesamtmarkt hat. Und wenn schon, dann ist dieser Einfluss eher stabilisierend. Vorbei scheinen die Zeiten, als man noch vor „Turbulenzen“  vor dem Großen Verfall warnte und riet dazu, während der letzten Tage sich fern vom Handel zu halten. Alles Bulshit. Ich habe bereits Sekunden vor 13:00 Uhr am Verfallsfreitag gehandelt und ich lebe noch! Der deutsche Terminmarkt ist langweilig geworden. Bereits Wochen zuvor positionieren sich viele Händler entsprechend und danach passiert nicht viel. es ist erstaunlich, aber wahr. die sogenannten Open Interests (OI) – Anzahl der offenen Kontrakte ist natürlich abhängig vom Basispreis – Strike. Die Strikes mit den größten OI sind potenzielle Kandidaten für den Abrechnungskurs des Basiswertes am Verfallstag.

Aktuelles Beispiel:

DAX-Optionen mit Verfall im November.

Put Strike 11.000 OI = 9000

Call Strike 12400 OI = 8000

Für mich heißt das, nach unten wird wohl mit der maximalen Abweichung bei 11.000 und nach oben bei 12400 gerechnet. Anders ausgedrückt die Stimmung ist eher skeptisch (bärisch).

Die meisten Initiatoren dieser OI sind Stillhalter also Verkäufer, die damit rechnen, dass sie im sicheren Intervall bleiben werden und ihre Optionen nicht ausgeübt werden.

Der gesamte Marktverkauf in den letzten vier Wochen zeichnet sich durch den Versuch aus, den DAX innerhalb der Spanne pendeln zu lassen. Wie wird das gemacht? Nun, vor allem durch Zurückhaltung, sobald die kritischen Strikes berührt werden.

Dieser gähnende Konsens kann aber durch eine Nervosität unterbrochen werden. Besonders dann, wenn die kritische Marken eine Woche vor dem Verfall getestet werden. Dann kommt tatsächlich Nervosität ins Spiel. Und vor allem wird der DAX völlig unberechenbar. Man nennt das Gamma-Risiko. Wenn also um 12:59 der Index bei 11970 steht, dann kann um 13:03 Uhr durchaus ein Preis von 12050 zustande kommen, welcher dann als Abrechnungspreis fungiert. Ich hatte es schon einmal erlebt.

Ein weite Lesson Learnt ist der verrückte Zeitwertverfall vor dem Verfall. Der setzt nämlich für die Notierungen am Geld förmlich aus. Steht der DAX bei 12000 nur zwei Stunden vor dem Verfall, dann kostet ein Call 12000 immer noch ca. 30 Punkte, was nach der Theorie gar nicht möglich ist.

Jetzt zur Liquidität – diese ist am Verfallstag enorm. Sie können ruhig handeln, allerdings bitte keine Aktienoptionen aus dem Geld kurz vor dem Verfall traden. Denn diese verlieren doch sehr schnell am Wert und der Spread steigt dann sofort an, so dass Sie ihre gekauften Puts doch nicht mehr zum vernünftigen Preis verkaufen können.

Die letzte Erkenntnis, die ich in diesem Beitrag ansprechen möchte, ist die Ausübung. Grundsätzlich werden Optionen, die im Geld sind ausgeübt. leider ist es nicht immer klar, ob die Option tatsächlich im Geld wird. Schwankt der DAX um 12.000, dann ist im Abrechnungspreis alles möglich. Zwischen 13:00-13:05 Uhr wird der Schlusspreis ermitteln und Sie können nicht mehr handeln.

Eine Ausübung ( = Auslosung) kann auch bei Optionen amerikanischen Typs vor dem Verfall geschehen. Hier habe ich ebenfalls unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Tief im Geld liegende Aktienoptionen werden oft viel früher ausgelost. Hingegen in den letzten Tagen passiert selten etwas. Kritische wird es, wenn aufgrund unerwarteter Unternehmensnachrichten eine Aktie kräftig steigt oder fällt. Und Sie sind short im Optionen. Dann rechnen Sie mit der Auslosung. Nicht jedoch 2-4 Tage vor dem Verfall.

Und noch eins. Nach dem Verfall dreht der Trend oft.

Und zum Schluss – die weiteren Aussichten für den DAX? gemischt. Die Open Interests deuten den maximalen DAX bei 12200-12400 und den minimalen 11.000-11300.

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