Was lohnt sich – Optionen kaufen oder verkaufen?

Die uralte Frage beschäftigt uns heute. Ich werde voraussichtlich auch einen Videobeitrag dazu aufnehmen. Der Mensch neigt dazu, einer einmal festgelegten Richtung zu folgen.

Unser Festhalten an Gewohnheiten und einmal geglaubten Ansätzen erscheint mir als die häufigste Ursache vieler Schwierigkeiten in einer dynamischen Welt. Die Inflexibilität unserer Gedanken und Handlungen mag verständlich sein. In der heutigen sich ständig verändernden Welt, ist das Beharren jedoch schädlich.. Hätten Menschen erkannt, dass es nicht gut ist, wenn man in armen Verhältnissen viele Kinder zur Welt setzt, gäbe es nicht die Bevölkerungsexplosion in Afrika. Würde sie immer wieder einen neuen Beruf lernen, wenn ihr alter nicht mehr gefragt ist, dann gäbe es viel weniger Arbeitslose.

An der Börse ist die Sturheit ein Weg zur Pleite. Ein Arbeitsmarkt ist durch den Staat reguliert und verhindert das Schlimmste. Der Aktienmarkt ist zwar inzwischen nicht so frei wie vor zwei Jahrzehnten. Die Zentralbanken haben einen zu starken Einfluss.

Dennoch bestrafen Kapitalmärkte alle, die sich nicht verändern wollen und rechthaberisch sind. Angenommen, Sie kaufen die Aktie einer Firma, die profitabel ist und der Kurs läuft bestens läuft. Der Kurs steigt und Sie sind glücklich. Sie merken nicht, dass der Kurs anfängt zu bröckeln. Am Ende wird nachgekauft und die Aktie fällt weiter. Den Rest kennen Sie.

Mit Optionen sieht es ähnlich aus. Sie finden Spekulanten, die Optionen kaufen und solche, die sie verkaufen, sog. Stillhalter. Sie werden aber selten jemanden finden, der beides tut. Und zurecht, denn solche Spezies sind Gewinner an der Börse und diese gehören bekanntlich zur Minderheit.

Schon die Aussage, „ich bin immer Stillhalter“, impliziert eine schlechte Prognose für Sie.

Fangen wir mit dem Grundsätzlichen an. Warum handeln Sie Optionen? Um mit Gewinn einmal ein Gegengeschäft einzugehen und die Position zu beenden, oder? Sie gehen also von einem falschen nicht marktgerechten Preis der Option, die Sie handeln aus. Der Optionspreis ist zu niedrig oder zu hoch. Wenn er zu hoch ist, dann enthält er implizit eine zu hohe Volatilität oder einen anderen Preis des Underlyings. Der aktuelle Preis wird in der Regel vom Market Maker vorgegeben und wird von einem Optionspreismodell abgeleitet, das an Black-Scholes angelehnt ist. Dieses wiederum setzt eine Marktneutralität voraus. Der Optionspreis kostet soviel, dass ein Portfolio aus Aktie, Option und einem Bond keine Wertveränderung erfährt, egal wie sich der Preis des Basiswertes verändert hat.

Wenn der gehandelte Preis auch der richtige sprich marktneutraler wäre, würden Sie nichts verdienen, sondern könnten lediglich den Aktienkurs hedgen.

Der Optionshandel bleibt deshalb eine Spekulation, und es ist nicht „free lunch“, wie uns viele Seminaranbieter vorzugaukeln versuchen. Sie kaufen einen Put, weil Sie einen anderen Preis bis zum Verfall erwarten und /oder weil die Volatilität steigen wird. Sie kaufen einen Straddle ( Call und Put zum Gleichen Strike und mit der selben Laufzeit), weil Sie auf eine steigende Volatilität bzw. auf einen deutlich veränderten Preis spekulieren.

Genau umgekehrt ist unsere Erwartung, wenn wir als Stillhalter zuerst verkaufen. Auch hier geht das Geschäft ein, wenn Sie auf einen anderen fairen nämlich niedrigeren Optionspreis spekulieren.

Manche Spekulation scheint jedoch oft zu gelingen. So sind Verkäufe von Puts aus dem Geld lukrativer als andere Strategien, besonders, wenn der Verlust durch ein Gegengeschäft begrenzt ist. So etwas erreicht man bekanntlich durch Spreads. Ich handle ähnliche Kombinationen seit Jahren, und zwar mit Erfolg. Woran liegt das? Hier existiert offensichtlich ein Vorteil beim Verkäufer. Er ist nicht groß, aber bei wenig Risiko ausreichend. Puts werden als Absicherung gerne gekauft aber selten ausgeübt. Sie sind immer etwas teurer, zumindest bei Indexoptionen, als Calls mit vergleichbaren Delta. Hinzu kommt noch die tatsächliche Renditeverteilung der Aktienkurse. Sie ist bekanntlich im Modell log normal. Das bedeutet nicht, dass in einem kurzen Zeitraum tatsächlich eine solche Verteilung beobachtet wird. Dafür muss man viele statistische Proben testen.

Die Erfahrung zeigt, dass die fat tails – Extremrenditen nicht sehr unwahrscheinlich sind. Und andersrum, die Bewegung eng um den Mittelwert wahrscheinlicher als in einem sicheren Abstand von einer Standardabweichung.

Zusammenfassung

Es ist mit einem kleinen Vorteil für den Stillhalter in Verkaufsoptionen zu rechnen.

Dieser Vorteil wird nicht so einfach wegarbitragiert, da dafür Leerverkäufe in Aktien notwendig wären, was in Deutschland nicht so einfach ist und eigentlich untersagt.

Vorteilhaft kann auch der Kauf einer Option sein, wenn die Implizite Volatilität historisch niedrig ist und ihr Abstand zur realisierten Volatilität klein ist. Hier zeigen meine Untersuchungen, es lohnt sich, Puts und auch Calls zu kaufen.

In den Märkten, wo ich einen Vorteil habe, sollte ich mit wenig Risiko sehr oft investiert sein, um in den Genuss des Vorteils zu kommen. Ich kann aber auch in die Märkte gehen, wo ich keinen statistischen Vorteil habe, dennoch ein hohes Momentum sehr gute Chancen einräumt. Dann steige ich mit hohem Einsatz ein und schnell wieder aus.

Ähnlich wie in einer Spielbank. Dort haben Sie normalerweise keinen statistischen Vorteil. Ich sprach einmal mit dem Direktor einer Spielbank. Er sagte, wenn alle Gäste nur einmal in der Woche kämen und mit einem Gewinn gleich nach Hause gingen, dann wäre die Spielbank in kurzer Zeit pleite.

Zurück zu der Frage im Titel meines Beitrages. ein guter Optionshändler ist Opportunist. Er kauft oder verkauft je nach der Laune der Märkte und hält nicht an Dogmen. Verkaufen sollte man, wenn ein klarer Vorteil erkennbar ist. Kaufe sollten Sie aggressiv aber nicht zu oft.

Veröffentlicht von Option_Basil

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