Option als Spekulation und Wetten auf den Preis

Der einzige Grund, weshalb ich im Optionsgeschäft mein Geld einsetze, ist die Lust an Spekulation. Machen wir uns nichts vor. Niemand zahlt den geforderten Preis für eine Kaufoption, weil diese fair bewertet ist. Ich kaufe auch nicht Aktien, wenn ich der Meinung bin, dass sämtliche Informationen tatsächlich im Preis berücksichtigt sind. Nein, wir kaufen einen Call auf die Aktie der Deutschen Telekom, weil wir nicht glauben, dass die erwarteten Risiken im fairen Verhältnis zum Preis stehen.

Das eigentliche Ziel des Optionshandels ist die Spekulation auf Volatilität. Man kann nicht in diesem Markt auf Dauer bestehen, wenn man es nicht begriffen hat. Manche Optionshändler benötigen ein halbes Leben, um zu verstehen, warum Sie nicht profitabel sind. Volatilität wird seit Jahren als die „neue Assetklasse“ gepriesen, sie bleibt aber nicht greifbar und nicht prognostizierbar. Ein Anfänger tut sich damit besonders schwer und setzt lieber deshalb gleich auf den Preis.

In der Regel kauft man Optionen, um von der Preisveränderung innerhalb der Optionsperiode zu profitieren. Wäre der Optionspreis fair, dann würden auch die Annahmen des Optionspreismodells erfüllt sein. Demnach sollte der Preis der Aktien am Ende der Kontraktlaufzeit vom aktuellen nicht wesentlich abweichen. Unter solchen Bedingungen verdient man jedoch kein Geld, wenn man auf eine Preisveränderung wettet. Die Praxis dieser Spekulation ist etwa differenzierter. Die Spekulanten warten eigentlich nicht auf das Ende der Optionsperiode, sondern nur auf die zwischenzeitlichen Schwankungen, um dann die Position mit Gewinn zu realisieren. Sie warten nicht bis Ende, weil sie intuitiv ahnen, dass in den meisten Fällen eine große Preisbewegung ausbleiben wird.

Der Kurs des Basiswertes (Underlying) kann ja nach oben oder nach unten ausbrechen. Deshalb kaufen viele Händler Kauf und Verkaufsoptionen mit gleicher Laufzeit. Diese Strategie auch Strangle oder Straddles genannt ist sehr beliebt, weil sie eine hohe Treffsicherheit suggeriert.

Aber Vorsicht, auch mit dieser Strategie zahlen Sie zuerst mehr, da sie mindestens zwei Optionen kaufen, und so sinken Ihre Gewinnchancen erheblich. Der Basispreis muss sich sehr signifikant in eine Richtung bewegen, damit Die gesamte Position mit einem Gewinn beendet wird.

Auffallend ist der Sprung ab dem Basispreis bei der Restlaufzeit gleich Null. Hier zeigt sich die Zufallskomponente des Optionsgeschäfts. Liegen Sie richtig, sprich oberhalb des Strikes, dann sind sie womöglich im Gewinn, liegen sie darunter, dann ist das Investment weg.

Wetten auf den Preis über Optionskäufe ist daher wie ein Spiel am Rouletttisch in einer Spielbank. Sie sind im Nachteil aber wenn Sie den ersten Gewinn mitnehmen und direkt nach Hause oder ins anliegende Restaurant gehen, werden Sie womöglich auf Dauer profitabel. Nicht aber, wenn Sie nach jedem Gewinn weiter spielen. Bei den Optionen aus dem Geld haben Sie grundsätzlich keinen Vorteil, wenn Sie sie kaufen. Die Statistik spielt gegen Sie. Denn 80% der Serien aus dem Geld laufen wertlos aus. Die niedrige Ausübungswahrscheinlichkeit ergibt sich aus dem Modell und bedeutet noch lange nicht, dass Sie als Verkäufer automatisch im Vorteil sind. Die Volatilität spielt hier die entscheidende Rolle. Ohne sie zu betrachten, sind Sie auf der Verlierer-Seite, wenn Sie Optionen kaufen, deren Strikes weit aus dem Geld liegen.

Wenn ich direkt am Geld handle, dann wiederum zahle ich viel mehr für die Prämie. Diese Serien sind in der Regel fair bewertet. Das heißt aber nur soviel, dass das Auszahlungsprofil eines Portfolios bestehend aus einer Kaufoption und eine halben Aktie sich nicht verändert. Diese Tatsache kann zur Absicherung eines Aktienportfolios ausgenützt werden,

Mit Optionen aus dem Geld gewinne ich, wenn ich aussteige, sobald die Option in den Gewinn läuft. Das ist ein altes Spiel der Daytrader. Ich habe bereits Börsenenthusiasten kennen gelernt, die das Daytrading für den Lebensunterhalt einsetzen. Ich meine damit nicht die zahlreichen Anbieter diverser Seminare und Herausgeber der überteuerten Börsenbriefe. Es gibt sie tatsächlich. Menschen, die morgens aufstehen und nach kurzfristigen Gelegenheiten im Markt suchen. Wenn sie länger als 1 Jahr im Markt sind, dann tun sie manches richtig. Es ist mir aufgefallen, dass diese erfolgreichen Daytrader meisten sehr kurz im Markt bleiben. Sie warten, bis ihr set up kommt, steigen ein und schnell mit oder ohne Gewinn wieder aus. Ähnlich tun es die Optionshändler, die auf die Kurssprünge warten.

Ein weiterer Aspekt ist das unterschiedliche Verhalten der Calls und Puts. Die Puts profitieren von fallenden Kursen doppelt, weil mit den fallenden Preisen auch die implizite Volatilität steigt. So entsteht der Eindruck, dass man mit Puts auf die Preise leichter spekulieren kann. Dass das so nicht stimmt, sehen wir, wenn die Serie 1-3 Wochen vom Verfall handeln. Dann wirkt sich der fallende Preis sehr schwach auf Puts aus dem Geld, weil der Rückgang der Volatilität und der damit verbundene Abbau des Zeitwerts der dominierende Prozess ist.

Eine beliebte Methode, durch Käufe mit Optionen zu spekulieren ist sogenannte Lotto-Optionen. Die Deutschen mögen zwar die Wörter Investor und ein regelmäßiges Einkommen, Lotto klingt nach Zocken und unrechtmäßig verdientem Geld. Die Handelsstrategie Lotto-Optionen kenne ich aus den US-amerikanischen Chats. Wenige Wochen vor dem Verfall kaufe ich sehr günstige Calls oder Puts und hoffe auf den großen Sprung oder Sturz noch unmittelbar vor dem Verfall. Meistens bleibt dieser zwar aus, aber immer wieder geht die Strategie auf. Ich plane systematisch, einen bestimmten Betrag einfach abzuschreiben. Keine Überlegungen zum Chart, Trend und auch nicht zur fairen Bewertung. In den letzten Jahren ging die Strategie nach oben auf. Nicht selten brach der DAX aus einer Range wenige Tage vor dem Verfall aus. Die Spekulation nach unten ist in Form von Lotto-Optionen schwieriger. Denn diese bleiben teurer und wir seit 2009 einen extrem bullischen Markt haben.

Die Wette auf fallende Kurse mit langlaufenden Optionen nenne ich Black Swan. Sie kann sehr lukrativ sein, vor allem aufgrund der Volatilitätskomponente.

Zusammenfassung

Eine Optionswette auf Preise wird durch den Kauf getätigt. Eine Strategie besteht darin, auf den laufenden Trend zu springen. Die andere ist eine Zufallswette mit kleinen Einsätzen – Lotto-Optionen. Generell gilt, möglichst kurz im Markt zu bleiben, da man mit gekauften Optionen keinen statistischen Vorteil hat. Das gilt insbesondere für Optionen aus dem Geld.

Veröffentlicht von Option_Basil

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